Brettchenweben… Was ist das denn?

27.01.2014 10:31

Im letzten Herbst habe ich mit meinem Freund bei uns in der Nähe ein Mittelalterfest besucht und bin dort über etwas gestolpert, das ich noch nie vorher gesehen oder gehört hatte: Webbrettchen. Die Brettchen wurden an mehreren Ständen verkauft, in Aktion waren sie allerdings nirgendwo zu sehen.

Zu Hause angekommen, packte mich mal wieder das Forscherfieber. Ich konnte mir nämlich überhaupt nicht vorstellen, wie mit einem quadratischen Holzbrettchen mit vier Löchern in den Ecken gewebt werden sollte.
Nach kurzer Zeit im Internet fiel bei mir dann der Groschen: Die bunten Bänder, die manche von den Standbetreibern an den Gewändern hatten und die dort auch als Meterware verkauft wurden, mussten mit diesen Brettchen gewebt worden sein. Benötigen tut man ausserdem nicht bloss ein Brettchen pro Band, sondern ganz viele!
Wer mich kennt, weiss, dass ich sowas natürlich nicht beim „Wissen-Wie“ belassen kann, sondern sofort selber ausprobieren und raustüfteln muss.
Einige Tage später stand ich also im Baumarkt und kaufte mir zwei Schraubzwingen, die ich dann zu Hause am Küchentisch montierte und auf die ich die Kettfäden aufzog…
Oder zumindest versuchte ich das… Meine Idee war nämlich, ein Einzugsmuster
mit 24 Brettchen, also 96 Fäden zu weben. Das jedoch ohne richtigen Webrahmen aufzuziehen, kriegte ich wortwörtlich „nicht auf die Kette“. Ich war mehr am entwirren als am aufziehen, etwa alle halbe Stunde warf ich den Kram in die Ecke, 10 Minuten später liess es mich dann aber doch wieder nicht in Ruhe und ich kramte die Sachen wieder hervor. Am Ende hatte ich alles wieder entwirrt und ich entschied mich, statt dem Einzugsmuster für den ersten Versuch eine Doubleface-Kette zu schären, die ich deutlich einfacher im Endloseinzug auf die Schraubzwingen bekam.
Das Weben an sich lief dann eigentlich ganz gut. Ok, das Ziel war nicht, im ersten Anlauf ein perfektes Band zu weben, sondern erst einmal ein bisschen auszuprobieren und dafür war ich mit dem Ergebnis eigentlich ganz zufrieden. Ein Bild davon siehst du hier:


Schnell war mir klar, dass ich, wenn ich die Bändchenweberei weiterverfolgen wollen würde, in jedem Fall einen Bandwebrahmen benötigen würde. Den Küchentisch blockieren konnte ich schliesslich nicht ewig…
Glücklicherweise ist mein Bruder Zimmermann und immer wieder bereit, der „kleinen grossen Schwester“ beim Basteln irgendwelcher Holz-Konstruktionen zu helfen. Der Plan für den Rahmen war schnell gezeichnet und besprochen, so dass das Material bestellt werden, und die voraussichtlichen Kosten berechnet werden konnten. Und nun warten wir eigentlich nur noch auf die Lieferung der neuen Hobelmaschine in die Werkstatt des Arbeitgebers, um dann endlich mit dem Bau des Rahmens beginnen zu können.
Die Recherchiererei war aber etwas, das trotz Wartezeit auf den Rahmen weitergeführt werden konnte und auch wurde. Bald einmal fand ich heraus, dass man auf einem Bandwebrahmen oder „Inkle Loom“ nicht nur Brettchenweben sondern auch „Inkle Weaving“ betreiben kann und dass dies, vor allem, wenn man verstehen will, wie der Prozess und die Konsequenzen der Manipulation genau funktionieren, eigentlich einfacher zu durchblicken ist, als das Brettchenweben. Literatur zum Thema „Inkle Weaving“ ist einigermassen gut zu bekommen und so bestellte ich mir Anne Dixon’s „Weaver’s Inkle Pattern Directory“, dessen Anleitungen ich nun schon halb gelesen habe. Wenn also mein Rahmen (hoffentlich bald) fertig ist, werde ich mich am Weben eines Gürtels mit der Inkle-Technik versuchen. Mal sehen, wie das rauskommt…

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