Filzen – einige Grundbegriffe

25.11.2013 20:11
Ich hatte ja das Glück, dass mir bei meinen ersten Filzerfahrungen jemand gleich am Objekt die Grundbegriffe des Filzens erklären konnte. Somit musste ich nicht erst lange im Internet oder in Büchern stöbern, bevor ich mit der eigentlichen Arbeit beginnen konnte.
Das Rad neu erfinden werde ich nicht, Anleitungen und Tutorials findet man im Netz ja wirklich genügend, ansonsten können auch noch Bücher oder erfahrene Mitmenschen zu Rate gezogen werden. Da ich in den letzten 24 Stunden aber immer mal wieder gefragt wurde, wie das Filzen an sich denn nun eigentlich funktioniert, habe ich mich entschieden, wenigstens die Grundbegriffe mal kurz zusammenzutragen.

Also:
Was ich hier beschreibe ist der Prozess des Nassfilzens. Verfilzt wird allerlei Wolle, in meinem Fall momentan vorallem Schaf, Merino und Alpaka.
Filzwolle kann man in verschiedenen Formen kaufen, unkardiert oder kardiert (gekämmt) als Vlies, im Band oder als Kammzug. Bei meinem Wolleinkauf hatte ich hier schon meinen ersten Knoten in den Hirnwindungen…
Die Unterschiede bestehen in der Vorbehandlung der Wolle. Bei Wolle im Vlies werden die Fasern nur grob in die gleiche Richtung gekämmt, dies in mehreren Schichten. Faserknöllchen oder Schmutz können noch vereinzelt vorkommen. Vlieswolle wird vor allem fürs Filzen grösserer Objekte und Flächen verwendet, da sie nicht unbedingt flockenweise ausgelegt werden muss.
Ein Schritt weiter verarbeitet ist Wolle im Band. Hier wurde eine kleinere Abteilung des Vlieses abgetrennt und zu einem langen Band zusammengefasst. Verunreinigungen sind ebenso möglich wie beim Vlies. Am meisten bearbeitet ist der Kammzug. Hier wurden die Wollstränge weiter gekämmt, wodurch sich die Haare alle in die gleiche Richtung ausrichteten. Krause Fasern wurden dabei gestreckt, kurze Fasern und Verunreinigungen herausgekämmt. So viel zur Wolle.
Ausser der Wolle benötigt man eine rollbare Unterlage (z.B. luftgefüllte Noppenfolie, eine Bambusmatte oder ähnliches), heisses Wasser, Seife, die eigenen Hände und beim Hohlkörperfilzen eine Vorlage aus stabiler Plastikfolie, so weit wollen wir hier jedoch gerade noch nicht gehen.
Den Filzvorgang erkläre ich anhand des Flächenfilzens. Als Erstes wird die Wolle in Flocken aus dem Strang gezupft und in dünnen Schichten übers Kreuz übereinandergelegt. Je dicker die Schichten bzw. je mehr Schichten, desto dicker wird später auch das Filzstück. Die Wolle wird nun mit warmem Seifenwasser befeuchtet und mit einer zweiten Schicht Unterlage zugedeckt. Anschliessend folgt das Anfilzen. Dabei wird das ganze Paket vorsichtig zusammengerollt und einige Male auf der Unterlage gerollt. Dann wieder öffnen, neu einrollen und weiter auf der Unterlage rollen. Immer wieder wechseln, dabei darauf achten, dass das Filzstück immer wieder gedreht wird, so dass am Ende von allen Seiten gerollt wurde. Geschieht dies nicht, geht die Wolle ungleich ein und verfilzt somit auch ungleich. Zwischendurch immer mal wieder mit heissem Wasser begiessen. Wenn der Filz eine gewisse Festigkeit hat und sich keine einzelnen Fasern mehr ablösen, folgt das Walken. Dabei wird beim Rollen kontinuierlich der Druck erhöht. Hat der Filz die gewünschte Festigkeit, wird er unter kaltem Wasser ausgespült bis er nicht mehr schäumt und im Essigwasser getränkt, danach ausgedrückt und zum Trocknen ausgelegt. Die Form, die dem Filz hier gegeben wird, behält er nach dem Trocknen.

Was passiert denn nun beim Filzprozess?
Durch die Wärme und Reibung verbinden sich die Wollfasern miteinander. Dies wird durch die Seife unterstützt, die die Fettschicht, die die Haare schützt, löst, wodurch die Oberfläche „splissiger“ wird und sich besser mit den anderen Fasern verbindet. Das Essigwasser am Ende dient dem Ausgleich des durch die Seife alkalischen pH-Werts. Liesse man diesen Schritt bleiben, könnte es passieren, dass die Wolle mit der Zeit spröde würde.
Während des ganzen Prozesses geht die Wolle um ca 30% ein! Damit es keine bösen Überraschungen gibt, sollte man dies bei der Planung berücksichtigen. Im Zweifelsfall gilt: Lieber etwas zu gross beginnen und im Notfall nachfilzen als zu klein starten.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich hoffe, ich habe die Sache einigermassen verständlich erklärt. Bei Fragen darfst du dich aber gerne melden, ansonsten lege ich dir auch meine Linksammlung zum Thema ans Herz.

Übrigens habe ich mir bei Amazon am Wochenende das Buch „Praxiswissen Filzen“ bestellt. Ich hab ja immer gerne so ein Nachschlagewerk zur Hand. Bin schon ganz gespannt darauf, was dort noch alles drinsteht. Sobald es da ist, wird hier dann sicherlich mal was drüber zu finden sein 🙂

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.