Filzpantoffeln für warme Winterfüsse

14.12.2013 18:13
Nach meinem Einkauf beim Wollhändler habe ich mich direkt ans Filzen meiner ersten Pantoffeln gewagt. Wie im letzten Beitrag geschrieben, war dies mein erstes Projekt mit Wolle im Vlies, bisher hatte ich immer alles mit Band oder Kammzug gemacht.

Nach Grundanleitung aus meinen Büchern und dem Internet fertigte ich als Erstes eine Schablone zum Umfilzen an und belegte diese mit der Wolle. Da ich nicht nur unifarbene Hausschuhe machen wollte, hatte ich die glorreiche Idee, auf die Schnauze meiner Pantoffeln ein Herz aus Vorfilz aufzufilzen, auch ein Novum für mich. Also schnitt ich auch dieses aus und legte es auf. Nun hat man ja bei Pantoffeln mehrere Möglichkeiten zum Auslegen der Wolle, ich machte es aber so, dass ich die Farbe, die am Ende aussen sein sollte, zuerst auflegte, und dann die Farbe des Futters drüber. Anschliessend habe ich die ganze Sache angefilzt.
Als es ans Schneiden der Öffnung ging, fiel ich dann über die weit und breit einzige Stolperfalle: Ich hatte nämlich vergessen, auf welcher Seite ich bei welchem Schuh das Herz aufgelegt hatte… Ein nächstes Mal werde ich mir das wohl irgendwie markieren müssen. Nun ja, nach einigem logisch Überlegen und Fühlen mit der Hand, fand ich dann doch heraus, wo die Herzen sein müssten. Dann folgte aber der Überlegungsfehler, denn ich hätte (logischerweise) den Schnitt in die Seite setzen müssen, auf der sich das Herz befand, was ich aber bei dem ganzen Wo-ist-was-Chaos irgendwie nicht geschnallt habe. Nun ja, Schnitt gesetzt, Vorlage raus, wenden und dann folgte die Überraschung: das Herz befand sich nicht auf der Schnauze sondern auf der Sohle des Schuhs… Die Konturen des Herzes hingegen sahen ganz ordentlich aus, der Versuch mit dem Auffilzen von Vorfilz hatte also ganz gut geklappt.
Mir blieb also nichts weiter übrig, als den Schnitt beim zweiten Schuh auch in die falsche Seite zu setzen, so dass wenigstens beide Schuhe gleich werden würden.
Anschliessend walkte ich die Hausschuhe noch kräftig durch, dies erst per Rolltechnik, anschliessend auf dem Styroporfuss in Reibetechnik.
Nach einer guten Stunde meldete sich langsam meine Schultermuskulatur zu Wort… Glücklicherweise war der Filz in dieser Zeit gut fest geworden, so dass ich die Schnittkanten nochmals etwas nachschneiden und dann den Filzprozess beenden konnte. Ich spülte die Pantoffeln mit Essigwasser und liess sie dann direkt auf den Styroporleisten trocknen.
Hinterher hat sich nun herausgestellt, dass ich wohl gut daran getan hätte, zum Ende hin einmal in die Schuhe zu schlüpfen. In der Länge passen sie wunderbar, allerdings sind sie übers Rist noch etwas weit. Morgen werde ich wohl, mit Unterstützung meines Freundes, noch einmal nachfilzen müssen.
Du siehst, etwas Lehrgeld musste ich bei diesem Projekt bezahlen, allerdings werde ich die gleichen Fehler wohl nicht noch einmal machen. Das Resultat, so finde ich, ist trotzdem süss geworden und ihren Zweck werden die Pantoffeln auch so erfüllen. Ich werde dann halt, zum Beispiel beim Fernsehen, ab und zu mal die Füsse hochlegen müssen, so dass das Herz auch auf der Sohle zu seinen Ehren kommt 😉

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Ein P.S. noch zu meiner Erfahrung mit Vlies: Der Vorteil von Vlieswolle ist, dass man die Flächen nicht auslegen muss und relativ leicht ein gleichmässig dicker Filz entsteht. Allerdings fand ich es etwas schwieriger, die Wolle so zu legen, dass beim Anfilzen keine Wülste entstehen. Dies hat sich dann aber beim Walken wieder etwas ausgeglichen, allerdings nicht überall gleich gut, was auch auf dem Foto im Inneren des linken Schuhs rechts auf dem Bild etwas zu sehen ist.
Fürs Gestalten von Motiven ist das Vlies nicht unbedingt gemacht, das war für mich aber nichts Neues. Allerdings soll es ja auch Leute geben, die Motive statt aus Vorfilz aus Vlies ausschneiden und direkt auffilzen… möglich scheint dies also schon auch zu sein.

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