Grüne Welle: Wildspitz-Garn

21.08.16 12:07

Letztes Jahr hab ich mir in Zug am Wullefestival bei Zsuzsa von Soft Rainbow das Strickmuster für den Wildspitz gekauft.
Von Anfang an war klar, dass ich das Garn für das Tuch selbst spinnen wollen würde, passender Kammzug war aber noch keiner da. Lustigerweise bin ich oft, wenn ich ein Design einmal in einer bestimmten Farbe gesehen hab und die mir gefallen hat, quasi „auf diese Farbe eingespurt“ und so, wie das Original war, soll dann auch mein Exemplar werden. So war’s auch beim Wildspitz, das Beispieltuch an Zsuzsas Stand war grün, also sollte meins auch grün werden.
Nun hab ich beim Färben von schönen Grüntönen den Dreh noch nicht so ganz raus, irgendwie werden mir die oft zu wenig „natürlich“ und zu kitschig. Statt selber die Färbekessel anzuschmeissen, hab ich mich also diesmal online nach Fasern umgeschaut. Bei Daniela von FeltstudioUK wurde ich fündig, der 50% Babykamel/50%Seide-Kammzug ist mittlerweile versponnen, ein wunderschön glänzendes und (trotz viel Drall) unglaublich weiches Garn ist herausgekommen.

DSCI0420 20-30Eine Sache hab ich bei dieser Spinnerei zum ersten Mal ausprobiert und dabei gerade etwas gelernt: Die Sache mit der Zwirnprobe.
Gleich zu Beginn einer Spinnarbeit, sobald klar ist, wie ich mein Rad eingestellt haben und wie dick/dünn ich das Garn spinnen will, reisse ich immer ein kleines Stück vom Single ab und lasse es mit sich selbst verzwirnen ( =Zwirnprobe). An der Zwirnprobe sieht man ungefähr, wie das ausgeglichene Garn aussehen wird, ob der Single genug Drall hat, wie dick das Garn bei dieser Spinnstärke wird etc.
Das Pröbchen hänge ich mir jeweils ans Rad, beachte es dann aber (schändlicherweise) oft kaum mehr. Diesmal hab ich es allerdings zur Hand genommen, als es drum ging, die Singles zum fertigen Garn zu verzwirnen. Die Menge an Zwirndrall habe ich an diejenige des Pröbchens angepasst (sprich den Winkel verglichen). Hätte ich keine Referenz gehabt, hätt ich gewettet, dass das Garn so hoffnungslos überzwirnt sei und die Menge an Zwirndrall massiv reduziert, dank dem Vergleich habe ich jedoch mit eben dieser Drallmenge fertig gezwirnt.
Was sich nach dem Entspannungsbad zeigte, war ein wunderbar ausgeglichenes, schön fest verzwirntes Garn (weder unter- noch überzwirnt).
Warum diese Veränderung? Wenn man länger an einem Projekt spinnt, tendiert der Drall der Singles dazu, sich etwas zu setzen. Beim Verzwirnen präsentiert er sich wesentlich weniger aktiv, als er eigentlich ist, dadurch zwirnt man leicht mit etwas zu wenig Zwirndrall. Erst durch die Nässe des Entspannungsbads wird der Singledrall quasi zu neuem Leben erweckt, wodurch ein zunächst völlig überzwirnt wirkendes Garn sich am Ende eben doch ausgeglichen präsentiert 🙂

Technische Infos:
Gesponnen mit dem Lendrum Fast Flyer, Übersetzung 15:1, Auszug halblang, ca 5-7 cm pro Umdrehung
Verzwirnt mit dem Jumboset, Übersetzung 9:1, ca. 12 Mal Treten pro 80cm fertiges Garn
Lauflänge 472m/93g

Vorbereitung um farbliche Unterschiede etwas zu minimieren:
Kammzug in ca. 20 cm lange Stücke teilen, predraften, Stücke zufällig aus der Kiste ziehen und verspinnen

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