Helferlein: Projektbuch, Fotodrucker

24.11.17 10:41

Wo gehobelt wird, da fallen Späne – oder: Wo gewerkelt wird, da fallen Änderungen und Notizen an!

Ihr kennt das sicher: Oft arbeitet man nach einer Anleitung, hat dann aber ein anderes Garn (in meinem Fall machmal handgesponnenes), die Nadelstärke muss angepasst werden oder unterwegs fallen einem plötzlich eigene Ideen, Passformveränderungen o.ä. vor die Füsse…
Bis vor Kurzem habe ich solche Änderungen und Notizen oft auf Fresszetteln und
A4-Notizblättern festgehalten, die dann mehr oder weniger (un-)geordnet irgendwo abgelegt wurden. Das muss doch irgendwie besser machbar sein, fand ich und ich präsentiere –  TADAA – meine Lösung 🙂

Um zu erklären, was genau dahintersteckt und warum ich’s jetzt so mache, wie ich’s eben mache, muss ich etwas ausholen.

Also: Vor einem knappen Jahr habe ich begonnen, meine Termine, Notizen, Ideen und Erlebnisse in einem Bullet Journal festzuhalten. Für all diejenigen, die noch nie etwas davon gehört haben: Das Bullet Journal ist ein System, bei dem man mittels eines einfachen Notizbuchs sein Leben organisieren kann. Eine gute Übersicht zum System findest du auf http:// www.bulletjournal.com, ich werde jedoch versuchen, hier „kurz“ zusammenzufassen, worum es geht.

Das System besteht aus vier Fixpunkten:
– dem Inhaltsverzeichnis
– der Jahresübersicht (Future Log)
– der Monatsübersicht (Monthly Log)
– der Tagesübersicht (Daily Log, diesen habe ich durch eine Wochenübersicht ersetzt)

Zur Monats- und Tages- bzw. Wochenübersicht gehört zusätzlich zum Terminbereich jeweils auch eine Task- oder To Do- Liste, so dass man seine Termine und das, was man erledigen will/muss auf einen Blick zusammen sehen kann.

Zusätzlich zu den vier Fixelementen kommen allerlei Notizseiten (Collections) hinzu, diese erstellt man einfach dann und genau so, wenn/wie man sie braucht. Collections können Notizen, Erlebnisberichte, Gedanken, Ideen und auch alle anderen Dinge beinhalten.
Sie können als Fliesstext, Liste, Mindmap – im Grunde in jeder erdenklichen Form – gestaltet sein.
Das Bujo ist eine Art Terminplaner, Notizbuch und Tagebuch in einem. Der Clou an der ganzen Sache ist, dass, dadurch dass ja nichts vorgedruckt ist, man sich seine Seiten – Spreads – fortlaufend selbst füllt und somit sehr flexibel ist. Wenn einem eine Aufteilung nicht gefällt, sie sich als unpraktisch erweist oder man auf einer Seite die Übersicht verloren hat, so hat man direkt die Möglichkeit, sie auf der nächsten freien Doppelseite anders zu gestalten, Elemente zu ergänzen oder auch wegzulassen.
Alle Planungsseiten, Notizen, Ideen, Erlebnisberichte etc. werden fortlaufend eingetragen, sprich einfach auf der jeweils nächsten freien Seite. Es werden grundsätzlich keine Seiten auf Vorrat leergelassen.
Damit die ganze Geschichte einigermassen übersichtlich bleibt, arbeitet man mit Seitenzahlen einem Inhaltsverzeichnis, Threading (mehr dazu später – lies weiter!) und Symbolen – den sogenannten Bullet Points. Diese werden durchs ganze Buch hindurch durchgezogen und ersparen viel überflüssige Schreibarbeit. Es gibt beispielsweise Symbole für Notizen, Aufgaben, Termine und Events, solche, die Wichtiges kennzeichnen oder welche für Dinge, zu denen man noch was rausfinden will. Weil ich relativ oft Anrufe oder E-Mails zu erledigen habe, habe ich zudem Symbole dafür kreiert.
Statt mir also hinzuschreiben „Anruf Herr XY“ male ich mir mein Symbol für „Aufgabe“ hin, daneben das für „Anruf“ und schreibe dann „Herr XY“ : ¤ ∩ Herr XY. Meine Taskliste wird dadurch kürzer und deutlich übersichtlicher.
Was erledigt ist, wird entsprechend gekennzeichnet (Aufgabenkästchen abkreuzen bzw. ausfüllen).

Damit du mal einen Eindruck erhältst, wie so ein Spread aussehen kann:
Das ist beispielsweise eine meiner Wochenübersichten.

bujo WochenübersichtJeweils Ende Monat, wenn man die nächste Monatsübersicht vorbereitet, werden unerledigte Aufgaben in die Taskliste des neuen Monats übertragen, das nennt sich „migrate“. Was sich von selbst erübrigt hat bzw. man nicht mehr zu tun beabsichtigt, fällt raus. Einmal im Monat hat man also die Möglichkeit, sich zu überlegen, wofür man seine Zeit noch einsetzen will und wofür eben nicht. Endlose To Do-Listen mit haufenweise uralter unerledigter Aufgaben können so gar nicht erst entstehen – hilft enorm gegen Stress und Reizüberflutung 🙂 .
Wie du wohl schon gemerkt hast, liebe ich mein BuJo heiss  🙂 .

So, nach dem langen Exkurs nun aber zurück zum eigentlichen Thema, der Lösung für den Fall „Projekt-Zettelkrieg“.
Um dem ganzen Notizzettel-Wirrwarr mit meinen Projektinfos ein Ende zu bereiten, habe ich irgendwann begonnen, all meine Notizen, Ideen, Berechnungen etc. statt auf Fresszettel in ein Projektbuch zu schreiben.
Bevor ich angefangen habe, habe ich mir natürlich erst einmal überlegt, wie denn mein Projektbuch aussehen soll und wie ich es organisieren will. Es gibt da ja verschiedenste Möglichkeiten (gebundenes Buch, Ringbuch, mit und ohne Mäppchen, Karteikasten, Schuhschachtel mit Karten oder Mäppchen…).
Entschieden habe ich mich – wen wundert’s – am Ende für eine Variante, die auf dem BuJo-System basiert.

Also, wie sieht das Ding nun aus?

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Wie du siehst,  habe ich mir ein einfaches Blanco-Buch vom Möbelriesen genommen, Seitenzahlen und ein Inhaltsverzeichnis eingetragen und begonnen, meine Notizen, die vorher auf diversen Fresszetteln parkiert waren, ins Buch zu übertragen. Ich trage ein, was ich für Fasern oder Garn verwendet habe, was bei der Pflege beachtet werden sollte, welche Übersetzung am Spinnrad oder welche Nadelstärke ich verwendet habe, wie die Anleitung eines Strickstücks heisst und von wem sie ist bzw. woher ich sie hatte, mit welchem Kamm ich gewoben habe und natürlich alle Änderungen, die ich vorgenommen habe. Wenn ich Stücke selbst designe bzw. etwas berechnen muss, so trage ich all meine Notizen und Zeichnungen dazu ebenfalls in mein Projektbuch ein.
Wichtig dabei ist, dass jedes Projekt eine Projektnummer erhält, die es dann bis zum fertigen Stück behält. Wenn ich Spinn- oder Maschenproben für ein Projekt anfertige, dann kommt eine Etikette mit der gleichen Nummer dran, die das Projekt auch im Buch hat.
Meine Notizen füge ich fortlaufend ins Buch ein. Es kann also passieren, dass ich etwas zu einem Spinnprojekt eintrage, anschliessend aber an einem Pulli weiterarbeite und erst später wieder zu meinem Spinnprojekt bzw. dessen Weiterverarbeitung zurückkehre.
Um den Überblick nicht zu verlieren, helfen mir hier drei Dinge: das Inhaltsverzeichnis, die Projektnummer und Threading. Threading heisst: Ich mal mir oben an den Rand der Seite ein kleines Kästchen mit der Seitenzahl /den Seitenzahlen, auf denen ich schon Infos zum gleichen Projekt hab, auf. Das mach ich natürlich bei den Seiten früher im Buch (da mal ich dann einen Pfeil nach rechts zur Zahl dazu als Zeichen, dass später im Buch nochmals was dazu kommt) und auch bei den Seiten, die ich anfüge (da kommt ein Pfeil nach links zur Zahl dazu). So weiss ich immer, ob und wenn ja in welcher Richtung und auf welchen Seiten ich schon was zu einem Projekt im Buch drin habe.

DSCI0420_medium2 threading

Manchmal haben Seiten auch in beide Richtungen Threading-Kästchen, dann nämlich, wenn an mind. 3 Orten im Buch Infos zum gleichen Projekt auftauchen. Zusätzlich ergänze ich natürlich das Inhaltsverzeichnis mit den neuen Seitenzahlen.
Ich weiss, das klingt jetzt furchtbar kompliziert, ist’s aber gar nicht 🙂

Damit ich später noch weiss, wie meine Fasern, Garne, fertigen Produkte ausgesehen haben, klebe ich, wie du auf dem vorletzten Bild siehst, jeweils Fotos dazu. Ausgedruckt werden diese auf meinem kleinen Fotodrucker.

IMG_0954Mit meinem kleinen Helfer habe ich die Möglichkeit, Fotos direkt ab Speicherkarte, USB-Stick, Handy, Tablet etc. auf Fotopapier zu drucken. Ausserdem kann ich das Gerät auch mit dem Computer verbinden. Grösste Grösse ist bei meinem Modell Postkartenformat,
ich kann aber auf ein Blatt auch zwei oder mehr (verschiedene) Fotos drucken. Meistens nutze ich die Funktion 2 auf 1, so kann ich mein Bild einkleben und habe daneben noch ausreichend Platz für Notizen.
Die Anschaffung des kleinen Druckers vor wenigen Wochen hat das Führen des Projektbuchs für mich nochmals enorm vereinfacht. Dadurch, dass die Bilder quasi in nullkommanichts aufgenommen und so unkompliziert mal eben ausgedruckt sind, bleibt die Schreib- und Klebarbeit viel weniger liegen als zuvor. Dank dem hab ich mein Projektbuch tatsächlich meist auf relativ aktuellem Stand und es passiert mir viel weniger, dass ich vergesse, mir meine Infos und Überlegungen auch wirklich so aufzuschreiben, dass sie sich mir auch später noch erschliessen (und darüber war ich gerade vorige Woche, als ich mal wieder nach einer Nadelstärke zur Beendigung eines länger liegen gebliebenen Projekts gesucht habe, mal wieder mehr als froh).

Das Führen eines Projektbuchs macht etwas Arbeit, das geb ich zu. Wenn man aber, wie ich, über die Jahre hinweg relativ viele verschiedene Teile fabriziert, deren Trage-eigenschaften sich in der Regel erst nach einer gewissen Zeit beurteilen lassen, ist so eine Sammlung mit allen Infos Gold wert und, wie die Amerikaner sagen würden, „well worth the effort“.

 

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