Ich glaub, ich spinn… aber wortwörtlich ;-)

01.03.2014 08:38

Letztens habe ich auf Youtube eine Videoserie entdeckt, die in mir die Lust geweckt hat, eine weitere alte Technik, die ich bisher wirklich ganz schlecht kannte, mal auszuprobieren: Chantimanous Videos übers Spinnen mit der Handspindel und dem Spinnrad.

Klar, Spinnräder hatte ich schon gesehen und die Spindel kannte ich aus diversen Märchen (Schneewittchen lässt grüssen…), aber so richtig wissen, wie das geht, tat ich eigentlich nicht.
Für alle, denen es geht, wie es mir ging, einige grundsätzliche Dinge zum Spinnen:
Ein Wollstrang lässt sich im Normalzustand relativ leicht auseinander ziehen.
Diese Eigenschaft ist beim Filzen von Nutzen, da man dort ja die benötigte Menge abtrennen will, für einen Faden, der reissfest sein soll, taugt sie jedoch überhaupt nicht. Damit die Wollfasern zu einem reissfesten Faden werden, werden sie ganz einfach miteinander verdreht bzw. es wird Drall draufgegeben. Und da ein einzelner Faden, Dochtgarn genannt, bei zu viel Drall dazu neigt, sich mit sich selber zu verzwirbeln, und man ja auch einen möglichst gleichmässigen Faden haben möchte, wird er in einem nächsten Schritt mit mindestens einem zweiten Dochtgarn verzwirnt, also nochmals verdreht. Anschliessend wird der fertige Faden gehaspelt, gegebenenfalls gefärbt und zum Strang geformt. Dann ist er soweit fertig.

Kurzerhand stand ich also einige Tage nach der Videoentdeckung im Baumarkt und erstand Holzrädchen, Rundhölzer, Leisten und Hakenschrauben, die ich mit Hilfe meines Papas zu Hause direkt zu Spindeln verarbeitete.

Da ich vom Filzen ja noch massenweise Wolle im Schrank hatte, konnte ich dann auch direkt meine ersten Versuche machen. Es gelang mit der Anfängertechnik von Chanti ganz gut. Mein Faden wurde zwar nicht mega dünn, dafür aber einigermassen gleichmässig,
und die ganze Sache machte mir grossen Spass. Das mit dem im Flug spinnen kriegte ich allerdings noch nicht so ganz hin, was teilweise sicherlich auch daran lag, dass meine Spindel zu leicht war und daher immer sehr schnell wieder zurück in die andere Richtung drehte. Trotzdem war ich damit erstmal zufrieden.

Die ständige Spindelanstupserei war das einzige, was mich mit der Zeit etwas zu nerven begann. Ich spielte daher schon bald mit dem Gedanken, die Arbeit am Spinnrad auch einmal auszuprobieren, und ich begann, mich umzuschauen. Da niemand in meiner Familie ein Rad hat, war kaufen die einzige Option. In verschiedenen Internetforen wurde ich fündig, zumindest wenn es um Infos zu diesem Thema ging, und meine Idee, eventuell in einem Brockenhaus oder über Onlineauktion ein eher günstiges Occasion-Modell zu erstehen, wurde schnell wieder zerstreut. Immer wieder las ich nämlich, dass viele als „funktionstüchtig“ ausgeschriebenen Räder in Wahrheit überhaupt nicht mehr zu gebrauchen seien und sich daran lediglich das Rad noch drehen lasse. Ausserdem seien bei vielen Gebrauchträdern nicht mehr alle Teile vorhanden. Also schaute ich mich um, was denn ein neues Rad kosten würde – und was ich fand, haute mich fast vom Hocker. Natürlich sind die Dinger diffizil und haben dann doch einige Teile dran, die funktionieren müssen, wenn das Spinnen gelingen soll, aber die Preise sind schon echt `ne Hausnummer.
Der Zufall spielte dann aber wunderbar rein. Ein Freund meiner Mutter, ein älterer Herr um die 80, ehemaliger Werklehrer, hatte ein ungefähr 20-jähriges Spinnrad zu Hause stehen, das ihm, weil er übergangsweise in eine kleinere Wohnung zieht, gerade eher im Weg steht. Er war sofort bereit, mir das Rad für die Zeit, in der er es nicht braucht, auszuleihen.  Als Suplement erhielt ich dazu eine riesige Kiste mit ungefähr 3-4 kg Wolle, die er nicht mehr zurückhaben will.
So bin ich nun leihweise zu einem noch funktionierenden Spinnrad gekommen, mit dem ich meine ersten Versuche machen darf… und wenn ich dann immer noch das Gefühl habe, ich müsse unbedingt selbst so ein Teil haben, dann kann ich ja immer noch Ausschau halten… Manchmal erhält man im Leben halt unverhofft „z’Füfi u ds Weggli“, wie man so schön sagt 🙂

Hier das Schmuckstück:

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