Mal was Altes… Occhi!

01.02.1014 16:33
Experimentierfreudig, wenns ums Basteln ging, war ich schon immer, und ein Fan von Geschichte und alten Sachen auch. So passte es natürlich wie die Faust aufs Auge, als mir vor einigen Jahren beim Einkauf im Bastelzentrum ein Flyer in die Hand gedrückt wurde, mit dem für eine Ausstellung zum Thema „Occhi/Tatting/Frivolité“ geworben wurde.

Da mir die Begriffe nichts sagten und ich auch die Spitze auf dem Bild noch nie gesehen hatte, fragte ich bald darauf mal Tante Google dazu ab. Was ich herausfand war, dass diese textile Handarbeit vorallem zu Zeiten der Burgen und Schlösser bei den adligen Damen und deren Hofdamen verbreitet war, die, währenddem sie beim Occheln die Geschicklichkeit ihrer feinen Hände demonstrierten, allerlei Tratsch und Klatsch austauschten, daher der französische Name „Frivolité“. Auf Italienisch heisst die Spitze übrigens Occhi, weil die für diese Spitze charakteristischen Ringe an Augen erinnern.
Heutzutage ist die Spitzenknüpferei nicht mehr so stark verbreitet, da weniger mit Spitze geschmückt wird und wenn doch, sie meist maschinell hergestellt ist. Mittlerweile habe ich jedoch im englischsprachigen und auch im deutschen Raum durchaus Foren und Homepages von occhiverrückten Mitwerklern entdeckt, ganz am aussterben ist die alte Kunst also noch nicht. Trotzdem: Mich interessierte das Thema und mein Feuer, einen Beitrag zur Erhaltung des Handwerks zu leisten, war geweckt.
Als ich das nächste Mal bei besagtem Bastelzentrum vorbeikam, kaufte ich mir also zwei Schiffchen und ein Knäuel Garn und machte mich mit den im Netz gefundenen Informationen ans Ausprobieren. Der erste Versuch scheiterte allerdings schon beim „In die Hände nehmen“. Wie das Garn genau um die Hände geschlungen werden sollte, damit die ganze Sache funktioniert, war mir irgendwie noch nicht klar. Einige Online-Videos später, hatte ich dieses Verständnisproblem aber dann doch gelöst und es konnte an die ersten Knoten gehen. Das Springen der Knoten begriff ich schnell und bald hatte ich meine ersten Ringe, Picots und Bögen geknüpft. Bereits etwa einen Monat später konnte ich einer Freundin einen selbstgeocchelten rosettenförmigen Kettenanhänger zum Geburtstag schenken. Sie freute sich darüber riesig.
Ich übte weiter. Im Laufe der Zeit entstanden Kerzenständer, Buchzeichen, Fingerringe, Rosetten und kleine Deckchen in allen Grössen, Formen und Farben.
Schon bei meinen ersten Recherchen stellte sich heraus, dass sowohl die Schiffchen als auch Literatur zum Thema in meiner Region relativ schwer zu bekommen sind. Ausserdem sind die hier erhältlichen Schiffchen nicht wirklich praktisch. Einige Zeit nach meinen ersten Versuchen und dem immer wieder aus dem Internet runterladen von Mustern, entdeckte ich dann die englische Seite tatting.co.uk. Die Mortons bieten nebst allerlei Schiffchen, Garnen und Zubehör auch eine grosse Bandbreite an Büchern an. Ich entschied mich, mir einen Grundstock zuzulegen. Bald trafen zwei Päckchen bei mir ein, eins mit Schiffchen und Garn, ein zweites mit diversen Büchern. Endlich war ich mit dem benötigten Material versorgt!
Im Laufe der Zeit probierte ich diverse der gekauften Muster durch, auch entwickelte ich Vorlieben für bestimmte Schiffchen. Eine Auswahl der mit der Zeit entstandenen Kleinigkeiten siehst du unten. Allerdings muss ich zu meiner Schande eingestehen, dass mein Durchhaltewille meist beim etwas kniffligen Vernähen der Endfäden aufhört… Bei vielen Beispielen siehst du diese also noch, auch wurden die meisten Deckchen und Buchzeichen noch nicht gespannt und gestärkt… Irgendwann folgt dies bestimmt noch.

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