Warm ums Herz: einfacher Pullunder

13.12.15 15:31

Vor einigen Wochen hab ich mir als Zwischenprojekt mal wieder einen Pullunder gestrickt, zum ersten Mal nach eigenem Entwurf. Ok, etwas abgeschaut hab ich natürlich, aber diesmal hab ich ohne fixe Anleitung gestrickt und mich stattdessen an Massen eines fertigen Stücks orientiert.
Gestrickt hab ich mit Trio Panda, einer Wolle älteren Datums. Diese hatte ich schon vor einer Weile günstig beim Woll-Laden im Nachbarort für genau dieses Projekt gekauft, seitdem wartete sie in meinem Stash auf ihre Stunde – die nun endlich gekommen war.

DSCI0339Da ich vor einigen Jahren, noch bevor ich mit dem Bloggen anfing, schonmal zwei Pullunder nach Anleitung gestrickt hatte, wusste ich, dass das kein Hexenwerk sein würde, erst recht, da ich Oberteile aufgrund meines eher unkurvigen Oberkörpers normalerweise nicht zu taillieren brauche.
Als Orientierungshilfe nahm ich die beiden Anleitungen von damals und einen gut sitzenden, gekauften Pullunder zur Hand, den ich zu allererst gründlich ausmass.

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Anschliessend zeichnete mir eine Skizze in mein Moleskine, die ich mit allen Massen beschriftete, an denen ich mich in der Folge orientieren wollte. Dann ging’s ans Stricken der Maschenprobe.

DSCI0333Die Maschenprobe mit Nadelstärke 10 ergab 8.5 Maschen pro 10 cm. Für meine Breite von 40 cm benötigte ich also 34 Maschen, da ich in Runden stricken wollte 34 mal 2,
also 68, je die Hälfte fürs Vorder- und Rückenteil.
Diese 68 Maschen schlug ich also an, dann strickte ich die erste Runde links, um zu vermeiden, dass sich der Bund rollen würde. Bei knapp 10 cm Höhe schlüpfte ich ein erstes Mal in den Schlauch rein, wobei ich merken musste, dass die ganze Sache viiiel zu weit war (ich hatte es schon befürchtet…). Nun ja, ich hatte aus Gewohnheit natürlich nur eine Maschenprobe über ca. 15 cm Breite gestrickt, ein Fehler bei so dicker Wolle, denn bei so wenig Maschen auf 10 cm wär’s ja eigentlich absehbar, dass man, wenn man einfach die 8.5 Maschen pro 10 cm auf 80cm Umfang hochrechnet, beim endgültigen Projekt mit der Weite völlig danebenliegt…
Na, wer kein Kopf hat, hat Nadeln (und Zeit…) 🙂 Ich mass also ab, wie viele Maschen ich ungefähr weniger brauchen würde, ribbelte und schlug mit der neuen Maschenzahl von 54 pro Runde nochmals neu an. Nun schien die Grösse besser zu passen und ich konnte stricken, bis ich einen Schlauch von ca. 33cm Länge hatte und da sich der Bund trotz linker Runde etwas gerollt hatte, strickte ich diesmal zu Beginn gleich zwei Runden links.
Als Nächstes ging es an die Abnahmen für die Armausschnitte. Hier schaute ich ein erstes Mal in die Anleitungen der früher gestrickten Modelle und rechnete die Anzahl für die Armausschnitte abgenommener Maschen in Prozente der Gesamtmaschenanzahl um.
Bei beiden Varianten lag der Wert plus-minus bei 20%. Praktischerweise stellte sich dabei ausserdem heraus, dass eines der Modelle fast die gleiche Maschenzahl wie meine Strickerei hatte, ich konnte also getrost die Armausschnitte wie in der Anleitung angegeben arbeiten, also erst 4 Maschen abketten (2 am Vorderteil, 2 am Rückenteil), anschliessend in der übernächsten Reihe (also wieder der Hinreihe) nochmals je 1 Masche. Hätte die Maschenanzahl nicht so perfekt gepasst und müsste man noch mehr Maschen abketten, so würde man (so zumindest hab ich das verstanden) einfach weiter in jeder 2. bis 3. Reihe nochmals 1 Masche abketten. Soweit so gut.
Ab jetzt musste das Vorderteil separat weitergestrickt werden, diesmal bis ca. 42 cm Höhe, wo dann die Maschen für den Halsausschnitt abgekettet werden sollten. Für den Halsauschnitt werden üblicherweise ca. 1/3 der Maschen abgekettet, anschliessend, um die Rundung hinzubekommen in jeder 2. Runde nochmals je eine Masche an jeder Seite. Da ich für die Schulternähte noch jeweils ca 10 Breite übrig haben wollte, kettete ich bei meinem dicken Garn also 7 Maschen ab, dann in der übernächsten Reihe nochmals eine Masche. Die nun entstandenen zwei Teile für die Brust-Schulterpartie strickte ich wiederum getrennt weiter, diesmal bis sie 53 cm von der Anschlagskante entfernt waren, wo ich sie haben wollte. Die übrig gebliebenen Maschen „parkte“ ich auf Maschenraffern.
Anschliessend ging’s ans Rückenteil, das ich fast genauso arbeiten konnte, wie das Vorderteil, bloss mit dem Unterschied, dass der Halsausschnitt diesmal erst bei 51 cm Gesamthöhe angesetzt wurde. Diesmal kettete ich direkt die ganzen 9 Maschen ab, strickte bei jedem Teil nochmals eine Reihe drüber, bevor ich Vorder- und Rückenteil mit dem Maschenstich (engl. „Kitchener stitch“ oder „grafting“) miteinander verband. Nun waren noch die Fäden zu vernähen und dann war’s geschafft: Mein erstes Modell ohne Anleitung! Geht doch 🙂

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P.S. Für diejenigen, die sich übrigens fragen, wie es ums Hochzeitstuch steht: Es ist fertig, wurde gespannt und wartet nun, in Seidenpapier gehüllt, in einer grossen Schuhschachtel auf den nächsten Sommer. Ein Ausschnittsbild davon werde ich demnächst posten, das Bild vom ganzen Tuch folgt dann nach dem Hochzeitsfest 😉

2 Kommentare

  1. Silvia Gauch

    Schön ist der Pullunder geworden und er steht dir auch sehr gut – nicht nur auf dem Foto!

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    1. Mia (Beitrag Autor)

      Vielen Dank, liebe Silvia! Ich mag ihn auch wirklich gerne, er ist so schön warm 🙂

      Antworten

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